Forschen

Wissenswertes zu Forschungsinhalten
und -ressourcen am LFE

Erkennen der Absicht eines Kommunikationspartners in der indirekten Kommunikation

Ist das Verstehen von Intentionen bei kommunikativen Handlungen abhängig von kulturellen Werten? Ein Vergleich von chinesischen und deutschen Kindern.

Das Verständnis von Intentionen, die durch indirekte Kommunikation vermittelt werden, basiert darauf, zu fragen: „Warum würde mein Gegenüber in dieser Situation XY sagen oder tun?“ Die Frage die sich nun stellt, ist: Warum fragen wir warum?

Ein Weg, die ontogenetischen Wurzeln von Kooperation in der Kommunikation zu verstehen, ist, verschiedene Kulturen zu vergleichen. Zum Beispiel stellen Eltern in autonomie-unterstützenden (individualistischen) Kulturen häufiger Face-to-Face-Kontakt mit ihrem Säugling her, wenn sie mit diesem kommunizieren, was wiederum das Bewusstsein der Kinder für emotionale und intentionale Zustände schärft (Gergeley & Watson, 1996). Aber haben solche kulturellen Unterschiede Einfluss auf das Verstehen von Intentionen in der Kommunikation (als eine Form des schlussfolgernden Nachdenkens über mentale Zustände und Intentionen)? Erkennen und verstehen Kinder in individualistischen Kulturen Relevanzimplikaturen leichter? Oder verbessert die Wertschätzung von Kooperation und Interdependenz in bindungsunterstützenden (kollektivistischen) Kulturen die Interpretation des (verbalen) Verhaltens einer anderen Person, was wiederum dazu führen kann, dass man mehr oder zutreffendere Schlussfolgerungen hinsichtlich des sozialen Ziels der anderen Person trifft?

Um zu testen, ob soziale Intentionen in der Kommunikation leichter von Kindern in individualistischen oder kollektivistischen Kulturen erschlossen werden, werden wir das Paradigma von Schulze, Grassmann & Tomasello (2013) anpassen und mit 3,6-jährigen Kleinkindern und 5,6-jährigen Vorschulkindern in drei kulturellen Gruppen (deutsche und deutsch-chinesischen Kinder, die in Deutschland leben und chinesischen Kinder, die in China leben) testen. Wir werden das Verständnis von direkten und indirekten Kommunikationsakten (gemessen online und in einer Objektwahlaufgabe) innerhalb und zwischen den Gruppen vergleichen. Zusätzlich werden wir Daten über kulturelle Werte der Kinder, ihre Theory-of-Mind-Fähigkeiten und ihre Sprachkenntnisse erheben.

Dr. Cornelia Schulze
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Prof. Dr. Henrik Saalbach
Forschungsgruppenleiter