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Sozialität durch Vernunft? Oder andersherum?

24. Oktober 2019

Was geschieht, wenn ein Anthropologe und ein Philosoph miteinander in einen Dialog treten? Laut LFE-Mitarbeiter Benjamin Reimann können sich beide Disziplinen zur Kooperation des Menschen sehr gut ergänzen. Beide beantworten die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Vernunft und Sozialität des Menschen unterschiedlich.

Wie kann es sein, dass Menschen Kunstwerke wie die Mona Lisa schaffen, große Orchesterstücke oder Gedichte schreiben? Keine anderen näheren Verwandten des Menschen sind zu solchen kognitiven Leistungen fähig. Was kann dafür der Grund sein? Der Anthropologe Michael Tomasello beantwortet dies mit der Sozialität des Menschen. Sie sind zu all dem fähig, weil sie sich mit anderen Menschen zusammengetan haben. Benjamin Reimann stellt im Rahmen seiner Dissertation Tomasello eine sehr bekannte historische Persönlichkeit gegenüber, um mit dieser in den Dialog zu treten: Aristoteles.

Zwar liegen zwischen den beiden Männern knapp 2.300 Jahre, aber die Frage, die sie sich gestellt haben, verbindet sie: Wie verhalten sich Sozialität und Vernunft in der Natur des Menschen zueinander? „Beide behaupten, dass Menschen wesentlich soziale Lebewesen sind und die Gemeinschaft mit anderen brauchen, um zu überleben.“ so Reimann über die beiden Akteure in seiner Publikation. Dort hört die Einigkeit dann aber auch auf: Michael Tomasello vertritt die Ansicht, dass menschliches Denken durch soziales Handeln geprägt ist, also menschliches Denken nicht ohne die dazugehörige soziale Gruppe zu erklären ist. Ihm gegenüber steht Aristoteles: seine Überlegungen legen nahe, dass unsere Art und Weise zusammenzuleben immer durch unser Denken bestimmt ist.

Der Austausch von Aristoteles und Tomasello wurde im Rahmen von Benjamin Reimanns Dissertation verfasst. Diese beschäftigt sich mit interdisziplinärer Forschung und wie diese im gut gelingen kann.  „Ich schaue mir aus einer philosophischen Perspektive an, wie wir überhaupt interdisziplinär zu Menschen im Allgemeinen (und Kindern im Besonderen) forschen können, ohne, dass wir aus unseren vielen Disziplinen kommend aneinander vorbeireden und stattdessen tatsächlich über ein und dasselbe reden.“ So beschreibt Reimann seine Forschung. Seiner Ansicht nach, eignet sich die Frage nach der Kooperation sehr gut für diese Thematik. Denn zwei wichtige Vertreter aus zwei unterschiedlichen Forschungsrichtungen treffen aufeinander und tauschen sich auf Augenhöhe aus.

Sein Fazit nach der Auseinandersetzung: „Die Frage kann nicht endgültig entschieden werden. Wir müssen Sozialität und Vernunft als zwei Seiten ein und derselben Medaille begreifen, um menschliches Denken verstehen zu können.“

Hier der Link zur Originalstudie: https://journals.qucosa.de/ejournals/arbeitstitel/article/view/3307

Foto: pixabay

Madlen Bartholmeß
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